Reiseberichte

Hier berichte ich unregelmässig (in meiner - mehr oder minder beliebten - typischen Art) über Reisen, Unternehmungen, Expeditionen,etc. (hauptsächlich von mir), denn

- Reisen bildet

- die weiteste Reise des Lebens ist die vom Hirn zum Herz

- Reisen lässt uns andere Sitten, Ansichten, Gebräuche, Sichtweisen, Einstellungen er-leben und bei der Rückkehr kritisch erfragen, ob (bei uns) alles so sein muss, wie es ist?

- Reisen braucht bzw. kann man/frau kann heutzutage nicht nur real...

1.: Besuch bei meinem Großvater in Frankreich

Meinen Grossvater (mütterlicherseits) Hans Hennecke habe ich selbst persönlich nie kennengelernt. Aber mich schon als Kind angefangen für ihn und sein Leben zu interessieren; mittlerweile weiss ich etwas mehr über ihn (und damit auch über mich).

     

  

Meine Grossmutter hat mir immer erzählt, daß mein Opa Soldat mit Leib und Seele war. In alten Fotobüchern habe ich Bilder von ihm während seiner Ausbildungszeit bei der Reichswehr in Sennelager aus dem Jahr 1928 gefunden. Später gehörte er dann zum rheinischen Infanterieregiment 161 in Northeim. Ich meine, dass man auf vielen Bildern erkennt, das er mit Stolz Soldat war, wie viele junge Männer in der krisengebeutelten Zeit der ausgehenden Weimarer Republik. Welch' Wunder also, dass sich ab 1933 der Großteil der Bevölkerung (ob das bei meinem Opa so war, weiss ich nicht!) zunächst begeistert den neuen Machthabern zuwand. Bewirkten die doch etwas, führten Deutschland zunächst aus der Krise, egalisierten die Schmach des Versailler Vertrages. Sie erfüllten perfekt das menschliche Bedürfnis, etwas darzustellen/jemand zu sein, zusammenzuhalten und eine Gemeinschaft zu sein und für eine Idee zu leben. Mir kommen da Vergleiche zu heute, wo weite Kreise der Gesellschaft ausgegrenzt werden, nicht mehr dazugehörig sind, sozial erbärmlichst behandelt werden, die einzige Idee vielfach das Verdienen von möglichst viel Geld ist und die Vollpfeifen von Politikern dermaßen wenig/nichts bewegen, das sich Gemeingefühl auf das Bejubeln von Grand Prix Gewinnen und 3. Plätzen bei Fussball-WM begrenzt.

Die Oma erzählte mir auch, daß Grossvaters "Tag" Sylvester war, weil er wegen seines Geburtstages schon mittags anfangen konnte zu feiern. Geboren wurde er am 31.12.1909. Anläßlich seines 100.ten Geburtstages wollte unsere Familie ihn Sylvester 2009 an seinem Grab in Bourdon in Frankreich besuchen. Leider schneite es zu dieser Zeit sehr stark, so daß der Besuch verschoben werde musste: zweimal, weil mein Vater sich im Frühjahr beim Schneeschippen auch noch einen komplizierten Fussbruch zuzog. Am 07.07.2010 ging es denn aber los, als Tagestour! 

Das Grab meines Grossvaters , allein auf "seinem" deutschen Soldatenfriedhof in Bourdon sind über 22.213 Opfer des 2.Weltkrieges begraben.   

Wahrscheinlicher Frontverlauf in Frankreich am 31.08.1944, dem Todestag meines Opas / es ist nicht zu rekonstruieren, aber ich nehme an, daß er zwischen Rouen und Amiens gefallen ist...die unten aufgeführte Landkarte kann vergrössert werden!

Weitergehend Interessierten zu den Kämpfen in der Normandie 1944 empfehle ich folgenden Link: www.battletours.de Zum grundsätzlichen Einstieg in die Thematik eignet sich die Stichwortsuche auf Wikipedia / und (angehenden) Experten wird das Buch "Verrat in der Normandie" nahe gelegt. 

Königstiger im Kessel von Falaise / Acht-acht / Frontflugplatz

Das Resultat solcher kriegerischer Auseinandersetzungen kommt auf den folgenden Bildern zum Ausdruck! Also, bitte immer fragen:

Cui bono?

       

Auf der Rückfahrt von Bourdon sind wir die kilometerlang schnurstracks geradeaus verlaufende Landstraße bis Cambrai gefahren. Eine Gedenkstätte an der anderen, im Kilometerabstand rechts und links Ehrenmale für die - in nur 5 Monaten - über 1.000.000 gefallenen Soldaten der Schlacht an der Somme im I. Weltkrieg. Das waren keine Neuigkeiten für mich, denn als Junge war ich im Rahmen eines Schüleraustausches eine Woche in Verdun gewesen, wo ebenfalls über 750.000 Menschen ihr Leben gelassen hatten und die Schädel und Schienbeine in etlichen wohnzimmergrossen Grabkammern zu abertausenden gestapelt sind. Aber meine Gedanken kamen verstärkt: wieviele Kinder haben ihre Väter nicht gesehen, wieviele Frauen verloren ihre Männer, wieviele Väter und Mütter ihre Kinder.........nur weil unverantwortliche Politiker die Macht hatten. Im zweiten Weltkrieg das Gleiche,  vorher im Jahre 1871 genauso und Waterloo liegt auch in der Nähe. Von der blutgetränkten Erde Europas ist der Boden Nordfrankreichs ein wahrlich trauriges Zentrum!

Der Krieg ist ein Massaker von Leuten, die sich nicht kennen, zum Nutzen von Leuten, die sich kennen, aber nicht massakrieren. Schicken wir doch in Zukunft, genau diese Nutzniesser in den Ring: da können sie sich gegenseitig zum Wohle der Menschheit kaputthauen!